Leichte Sprache in der Kritik – was wir dem FAZ-Artikel entgegenhalten

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Leichte Sprache in der Kritik – was wir dem FAZ-Artikel entgegenhalten

Prof. Dr. Christiane Maaß von der Universität Hildesheim antwortet auf einen Artikel der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 28.07.2017:

Mittwoch, 09. August 2017

Die FAZ hat sich in einem Artikel der Leichten Sprache gewidmet. Am 28.07.2017 erschienen, setzt sich dieser außerordentlich kritisch mit Konzept und Umsetzung von Leichter Sprache auseinander. Viele im Artikel aufgeführten Kritikpunkte begleiten die Forschungsstelle Leichte Sprache seit Beginn ihrer Arbeit. Wir möchten den Artikel zum Anlass nehmen, erneut Stellung zu beziehen und haben einige Statements aufgegriffen.

„Doch das hehre Ziel, Nachrichten verständlich zu machen, hat auch immer mit dem Verdacht zu kämpfen, diese zu infantilisieren und Leser für dumm zu verkaufen.“

Da man in der breiten Öffentlichkeit leicht verständliche Texte vor allem über Angebote für Kinder wahrnimmt und verständlichkeitsoptimierte Angebote für andere Personenkreise eher weniger präsent sind, liegt der Vergleich zu “Kindersprache” nahe. Die Unterschiede zwischen Texten für Kinder und „guten“ Leichte-Sprache-Texten sind jedoch enorm. Aspekte wie Textsorten, Informationsauswahl und Leseransprache stellen beispielsweise markante Unterschiede dar. Ein verwandtes Problem ist die Kritik der Stigmatisierung oder der Herablassung. Dies ist aber kein prinzipielles, der Leichten Sprache innewohnendes Problem, sondern liegt in der Hand des Übersetzers bzw. der Übersetzerin. Deshalb ist es wichtig, seine Zielgruppe präsent zu haben, bei der Erstellung der Texte auf korrekte Anredeformen zu achten und stigmatisierende Formulierungen wie „das schwere Wort dafür ist…“ zu vermeiden. Es gibt eine Reihe von Negativbeispielen, die immer wieder gerne im Diskurs aufgegriffen werden. Aber die Existenz von missglückten Leichte-Sprache-Texten kann nicht als Argument gegen das Konzept als Ganzes herangezogen werden. Andernfalls ließe sich so logischerweise auch gegen alle anderen “Varietäten” der deutschen Sprache argumentieren.

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